Vollnarkose oder Sedierung (Dämmerschlaf)
Seit über 40 Jahren gibt es weltweit eine Vielzahl von Forschungsberichten über wie Zahnbehandlungsängste entstehen und wie sie abgebaut werden können. Nachweislich sind verhaltenstherapeutische und kognitiv verhaltenstherapeutische Maßnahmen effektive Behandlungsmethoden. Dies bedeutet, dass dem Patienten unter ruhigen und strukturierten Umständen geholfen wird, ein Gefühl von Kompetenz und Selbstvertrauen auf dem Zahnarztstuhl aufzubauen und dass er lernen kann, anders über Zahnbehandlungen zu denken. Er soll nicht mehr ein Opfer sein, dem etwas angetan werden soll, sondern ein erwachsener Mensch der sich eine Dienstleistung kauft und dann auch das Recht hat, Forderungen zu stellen. So kann man dauerhaft die Angst loswerden, was oft notwendig ist, wenn man für den Rest des Lebens einmal im Jahr zur Kontrolle gehen soll, ohne dass dies ein großes Problem sein muss.
(Hypnose kann als Entspannungsmethode im Zusammenhang mit verhaltenstherapeutischen Techniken eingesetzt werden. Sie ist aber kein Ersatz für Betäubungsmittel oder Vollnarkosen.)
Wer große Angst hat kann sich aber oft nicht vorstellen, dass dies möglich ist. Deshalb ist es verlockend, die Behandlung unter Vollnarkose durchzuführen und danach sind die Zähne in Ordnung, ohne das man etwas mitbekommen hat.
In einigen Fällen kann dies auch durchaus sinnvoll sein, aber es darf nicht die einzige Maßnahme bleiben. Angst ist etwas, was man gelernt hat und kann nur durch einen neuen Lernprozess geändert werden. Wenn man nicht bei Bewusstsein ist, lernt man aber nichts. Untersuchungen zeigen, dass 70 % der Patienten, die unter Vollnarkose ihre Zähne saniert bekommen haben, sich anschließend nicht wieder in zahnärztliche Behandlung begeben. Die Angst ist noch da und das Vermeidungsverhalten auch. Das Risiko besteht, das die nächste Vollnarkose weitere Zähne kostet und die Qual der Zahnbehandlungsängste weitgehend unverändert fortbestehen.
Vollnarkose kann aber sinnvoll sein, wenn
1. der Behandlungsbedarf so umfangreich ist, dass der Patient kein Licht am Ende des Tunnels sieht. Wenn das Risiko besteht, dass der Patient sich überfordert fühlt und die Behandlung deshalb abbricht.
2.Wenn der Patient andere psychische Probleme hat, die es schwierig machen, häufig zum Zahnarzt zu gehen, wie etwa wenn es kaum möglich ist, die Wohnung zu verlassen.
In diesen Fällen sollte der Patient aber die Motivation haben, sich nach der Vollnarkose um die Angstproblematik zu kümmern, so dass er dauerhaft davon befreit werden kann.
Sedierung (Dämmerschlaf) bedeutet, dass der Patient ein Beruhigungsmittel bekommt. Im Gegensatz zu der Vollnarkose ist der Patient während der Behandlung ansprechbar, fühlt sich aber müde und möchte am liebsten einschlafen. Die Angst ist aber erheblich abgeschwächt oder ganz weg.
Sedierung kann entweder in Tablettenform eingenommen werden, oder in Zusammenarbeit mit dem Narkosearzt über die Vene zugeführt werden. Letzteres hat den Vorteil, dass die Dosierung während der Behandlung individuell justiert werden kann.
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Artikel von:
Dr. Mats Mehrstedt
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