Artikel zu: Wegweiser zur Zahnarzt Ausbildung - Berufsbild Zahnarzt
(Dieser Zahnarzt-Artikel wurde 7855 mal gelesen)Die Studienplätze für Zahnmedizin werden noch (Stand Sept.08) über die ZVS vergeben. Wie dies genau funktioniert kann man hier nachlesen. http://www.zvs.de/ Da der Zahnarzt ein eher gesuchter Beruf ist, liegt der benötigte Schnitt niedrig und die Schwelle hoch. Zudem haben die meisten Unis noch eigene Verfahren.
Theoretisch möglich ist die Absolvierung des Studiums im Ausland. Hier werden allerdings zum Teil enorme Kosten für das Studium fällig. Es dauert auch etwas länger, was aber angesichts der Aussicht zu Hause die Wartesemester abwarten zu müssen nicht weiter ins Gewicht fällt. USA und Kanada sind sehr teuer und sehr kompliziert, da man dann auch noch Colleges besuchen muss. Die Bedingungen in Österreich und der Schweiz zu studieren ändern sich laufend, da man dem Ansturm aus Deutschland nicht gerecht wird. In der europäischen Union kann man, abgesehen von den bürokratischen Hürden überall studieren. In Budapest gibt es eine Uni, die in deutscher Sprache den allgemeinmedizinischen Teil und in englischer Sprache die zahnmedizinische Sonderkurse anbietet. Angesichts der wirklich umfassenden Informationen, die generell nötig sind um ein Studium im Ausland zu absolvieren bitten wir allerdings selbst die einschlägigen Foren zu durchsuchen.
Studium an einer Hochschule: Dauer mind. 10 Semester, also 5 Jahre. 5 Semester Vorklinik, 5 Semester Klinik;
Das Studium der Zahnmedizin gilt als anspruchsvoll. Es sind 3 staatliche Prüfungen abzulegen: die naturwissenschaftliche Vorprüfung, die zahnärztliche Vorprüfung und die zahnärztliche Prüfung. Das zahnmedizinische Studium ist bis zum Physikum (naturwissenschaftl. Vorprüfung nach 2 Jahren) mit dem Medizinstudium vergleichbar und spezialisiert sich dann auf die Zähne. Durch diese frühe Spezialisierung ist es etwas schneller als ein Studium der Allgemeinmedizin, das dann noch meist mit einem Facharztstudium ergänzt wird. Es gibt auch Facharztstudien f. Zahnmediziner (z.B.Kieferorthopäde), aber grundsätzlich ist man mit der Zahnärztl. Prüfung erst mal fertig.
Assistenzarztzeit
Die in der Regel 2-jährige Assistenzarztzeit, Bundeswehr oder Kliniktätigkeit werden angerechnet, ist von Nöten um die Zulassung zur Krankenkassenabrechnung zu erhalten. Auch hier haben die Löhne unter den Budgetierungen gelitten. Ca. 80% der fertigen Zahnärzte absolvieren diese Zeit in einer freien Praxis. Hier sollen die Abläufe einer Praxis erlernt werden. Die Löhne können grob zwischen brutto 2500 und 4000 € variieren.
Doktorat
Ca. 50% der fertigen Zahnärzte promovieren. Und nach unserer Erfahrung lohnt es sich im Allgemeinen. Da der Patient doch in vielen Fällen nach einer Frau oder einem Herrn Doktor verlangt.
Der Beruf des Zahnarztes
Mit der Approbation, die man auf Antrag nach Bestehen des Studiums erhält kann der Zahnarzt oder die Zahnärztin sich niederlassen. Es bestehen derzeit (Sept.08) keine Niederlassungsbeschränkungen im deutschen Raum. Um mit der Kasse abrechnen zu können wird auch der Nachweis über eine 2-jährige Assistenzzeit verlangt. Ca. 85% der Patienten sind Kassenpatienten und so wird wohl eine Anmeldung bei den Kassen für die meisten der gängige Weg sein. Denn auch die privaten Versicherungen zahlen nicht mehr sooo gut, auch wenn natürlich deutlich besser als die gesetzlichen und es kommt als Risikofaktor der Kunde hinzu, da die Zahlung ja über ihn läuft. Es muss also durchaus auch mit Inkasso-Kosten gerechnet werden.
Praxisübernahme oder Neugründung:
Bei diesem Thema scheiden sich die Geister und man kann keine pauschalen Empfehlungen geben. Im Buchhandel finden sich hierzu einige Bücher. Was wir aus den Gesprächen mit verwandten und auch hier gelisteten Zahnärzten sagen können ist, dass beide Wege erhebliche finanzielle Verpflichtungen einschliessen. Wenn man eine Praxis übernimmt sollte man wenn möglich, wenn es bspw. kein Notverkauf ist, darauf achten dass der bisherige Praxisinhaber noch eine Zeit weiter mitarbeitet, so er denn beliebt ist und man miteinander auskommt. Da man damit rechnen muss, dass im Schnitt ca. 30% der Patienten dennoch wechselt darf man den ideellen Wert der Praxis nicht überbewerten. Eine Neugründung verlangt deutlich längeren Atem. Dafür kann man sich auch mehr am eigenen Gusto ausrichten. Dennoch ist in fast allen Fällen mit Investitionskosten nicht unter 300 000€ zu rechnen. Tätigkeiten, Arbeitszeiten und Verdienstmöglichkeiten:
Der Zahnarzt hat ein breites medizinisches Betätigungsfeld, in dem noch weitere Spezialisierungen möglich sind. Siehe unter Spezialisierungen. Grundsätzlich erstreckt es sich über Prophylaxe, Diagnose, Behandlung mit verschiedensten Gerätschaften und Techniken. Mittlerweile ist neben den motorischen Fähigkeiten, der guten Sensorik, der hohen Belastbarkeit, psychisch wie physisch auch eine gewisse Technik- und Computeraffinität von Nutzen, da immer mehr Behandlungsmethoden, -techniken und - technologien Handie in Hand gehen und auch durchaus sinnvolle Synergieeffekte aufweisen.
Keinesfalls zu vernachlässigen im Hinblick auf die Arbeitsstruktur sind die immer zeitraubenderen und gewinnmindernden bürokratischen, buchhalterischen und dokumentarischen Pflichten, denen ein Zahnarzt unterworfen ist. Diese sind einem Klinikarzt durchaus nicht unähnlich.
Die Arbeitsbelastung ist hoch. Im Durchschnitt kann man mit mind. 48 Std. wöchentl. Arbeitszeit rechnen. Das meiste davon hochkonzentriert und unter ständigem Arbeitsplatzwechsel. Das berühmte Hüpfen von Stuhl zu Stuhl.
Das Klischee vom porschefahrenden und tennisspielenden Sonnyboy ist immer noch vorhanden und war auch vor ca. 20-25 Jahren ganz und gar nicht falsch. Zahnärzte, im Besonderen in "reichen" Gegenden waren in der Liga der Spitzenverdiener und auch in weniger wohlhabenden Gegenden verdienten sie außergewöhnlich gut. Immer bei entsprechender Arbeitsbelastung und kreativer Abrechnungspraxis. Das ist heute anders. Die Arbeitsbelastung ist gestiegen und die Einnahmen sind, bei den meisten, enorm gesunken. Bestimmte Quellen sprechen von bereinigt 55 % in den letzten 2 Jahrzehnten. Das liegt daran, dass die Zahnärzte, wie alle Mediziner einfach viel weniger abrechnen können und auch in Ihren Umsätzen gedeckelt sind. Zudem hat die Mundgesundheit einen enormen Schritt nach vorne gemacht, sodass es einfach weniger Patienten gibt. In manchen strukturschwachen Gegenden sind Zahnärzte bereits pleite gegangen und die "guten" Gegenden sind, insbesondere nach Wegfall der Kassenzulassungspflicht zeimlich überlaufen. Man muss also, um gut verdienen zu können einen sehr guten Praxisablauf haben und natürlich genügend Patienten. Zudem ist auch und gerade in der Zahnmedizin ein enormer Sprung eingetreten, was die technische Ausstattung der Praxen betrifft. Eine heutige Praxis einzurichten ist eine enorme Investition. Hinzu kommen doch bedeutende Ausgaben an Miete, Kassenbeiträgen, Versorgungswerk usw. Trotz dieser Schreckensmeldungen darf man aber nicht vergessen, dass Zahnärzte im Schnitt immer noch zu den am Besten verdienenden Akademikern gehören. (Auch wenn andere sie bzgl. des Verdienstes im Mittelfeld der medizinischen Berufe und hinsichtlich der Investitionen auf der Spitzenposition sehen und davon ausgehen, dass ein Studium ökonomisch nicht mehr zu rechtfertigen sei.
Sicherlich ist es kein Selbstläufer mehr. Man muss sich vor allem im Klaren sein, und das werden Sie auch leicht nachvollziehen können, wenn Sie mal in die Empfehlungen auf diesen Seiten hineinlesen, dass ein Zahnarzt, noch mehr als andere Mediziner sich selbst gut verkaufen und seinen Patienten Vertrauen und Sicherheit vermitteln muss. Ein Zahnarzt hat fast immer mit einem Menschen zu tun, die Angst haben und jemandem begegnen will, der ihnen diese nimmt. Dies gilt natürlich insbesondere, wenn man sich auf die "klassischen" Angstpatienten spezialisiert.
Auch wenn also die Verdienstmöglichkeiten nicht mehr die sind, die sie früher waren kann, wird Zahnarzt für jemanden dem der Beruf liegt eine Berufung sein und da der Beruf so speziell ist kann man ihn fast nicht ausüben ohne, dass er einem liegt. Und Geld verdienen kann man auch, man darf aber eben nicht die früheren "Zahnarztgenerationen" vor Augen haben.
Möglichkeit ins Ausland zu gehen/ Berufsausübung in Europa: Immer mehr Mediziner wollen und gehen ins Ausland. Der Beruf des Zahnarztes ist Teil der Richtlinie 2005/36/EG . Diese regelt die gegenseitige Anerkennung von Diploma in den bestimmten Bereichen, sowie das sich Niederlassen und Praktizieren in EU-Ländern. Die spezifischen Regelungen, der einzelnen Länder muss man natürlich dennoch nachlesen und entsprechend recherchieren. Als erster Anlaufpunkt empfehlen sich die nationalen berufsständischen Vertretungen in den einzelnen Ländern. Generell läßt sich sagen, dass deutsche Mediziner in den meisten Ländern einen ausgezeichneten Ruf haben und gern besucht werden. Die Vergütungsmodelle sind sehr unterschiedlich zu den hiesigen. Genauere Infos zur Richtlinie: http://europa.eu/scadplus/leg/de/cha/c11065.htm#KEY Hier finden Sie Infos zu den Weiterbildungsmöglichkeiten eines Zahnarztes....
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